Die Wahrheit als "Hypostase" oder Jesus Christus, der verloren gegangene "Logos".


Jeder Stoiker war ein Stoiker; wo aber ist im Christentum der Christ? (Ralph Waldo Emerson, Philosoph, 1803 - 1882)

 

Man kann Jesus von Nazareth in seiner Funktion als Christus und Erlöser religionsgeschichtlich und religionsphilosophisch nicht verstehen, ohne dem Aspekt des "Logos" Beachtung zu schenken, der, aus der griechischen Philosophie stammend, nach und nach zu einer Logos-Theologie umgeformt und auf Jesus Christus angewandt wurde. Doch auch die Logos-Theologie verlor nach Augustinus mehr und mehr an Bedeutung und wird,  obwohl in den Kirchen jährlich im Prolog des Johannesevangeliums zitiert, heutzutage kaum noch in der ursprünglichen Bedeutung verstanden. Anders als bei der Entstehung der Vorstellung vom  "Sohn" als "Logos" und  später vom "Geist", beide einst als handelnde Boten Gottes im Schöpfungsprozess und der Heilsgeschichte verstanden, werden Sohn und Geist heute zum innergöttlichen Mysterium, weil niemand mehr sagen kann, wozu sie, neben dem allmächigen Gott, tatsächlich noch nötig sind.

Der "Logos" als Grundbegriff der griechischen Philosophie bedeutet zunächst Wort, Satz, Sprache oder Rede. Oft ist jedoch eine sich im Bewusstsein vollziehende Begebenheit gemeint, auf welche die Sprache verweist, wie Gedanke, Sinn, Bedeutung. Logos (griech. Λόγος) bezieht sich auf alle durch die Sprache dargestellten Äußerungen der Vernunft. Logos hat ein weites Bedeutungsspektrum, das  bis hin zu Beweis oder Lehrsatz und Lehre reicht (vgl. ...logie, z.B. Theologie = Lehre von Gott, Psychologie = Lehre von der Seele). Die Wissenschaft der Logik leitet sich davon ab.

 

                        Heraklit                    Sokrates                  Platon                         Aristoteles

 

 Heraklit (550-480 v. Chr.) wie die Stoiker (ca. 300 v. – 70 n. Chr.) führen alle Vielfalt des Kosmos auf eine letzte, innere, unveränderliche Ursache, das Urprinzip, das immanente Prinzip kosmischen Werdens und die alles Weltgeschehen durchwirkende Gesetzmäßigkeit und Norm zurück. Durch das Handeln (aktiv werden, z.B. bei der Weltschöpfung) ging die Unveränderlichkeit des Urprinzips verloren, deswegen wurde ein zweites Prinzip postuliert, selbst göttlich, aber niedrigeren Ranges, das aus dem ersten Prinzip für die Aufgabe der Weltschöpfung hervorging: der Logos [siehe oben] und noch später als drittes Prinzip der "Noûs" [Geist] als die das Weltall durchwaltende göttliche Vernunft. Hier deutet sich bereits die spätere christliche Weiterentwicklung über den Neuplatonismus zur Dreifaltigkeit an.

(Logos = zweites Prinzip kosmischen Werdens, Prinzip der Weltschöpfung, christlich = Sohn)

 

Bei Sokrates (470 – 395 v. Chr.) und Platon (427 – 347 v. Chr.) ist Logos an das Sein gebunden, Logos ist das Vermögen, das die Wahrheit zutage fördert, als "Licht des Logos" erhellt es die Erleuchteten, für Platon die höchste Stufe der Erkenntnis. Doch auch die Wahrheit selbst sowie die Form ihrer Äußerung wird Logos genannt, die als "Idee" in den Gesetzen des Kosmos verankert ist.

Das heißt für Platon: das Wahrhaft-Wirkliche, die Ur-Realität, die Transzendenz der Ideen und Formen existieren als "Universalien" unabhängig und vor den irdischen Gegenständen und Ideen in den Gesetzen des Universums. (Universalia sunt realia ergo ante rem).  Diese philosophische Hypothese war die Voraussetzung für die Entwicklung des christlichen Gottes.

(Logos = Wahrheit und 2. Prinzip (Sohn): Christlich: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich! Joh. 14:6

 

Für Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) sind die platonischen  "Ideen"  unnötige Verdopplungen der Gegenstände, die behauptete Transzendenz eine überflüssige Hypothese (Universalia sunt in re, die Universalien sind in den Gegenständen). Für ihn entspringt aus dem Logos die Tugend und damit die Glückseligkeit des Menschen. In der klassischen Rhetorik nach Aristoteles bezeichnet Logos eine der drei Arten der Überzeugung, nämlich die Folgerichtigkeit der Beweisführung (Logik). (Die anderen beiden sind Ethos (Autorität und Glaubwürdigkeit des Sprechers) und Pathos (rednerische Gewalt und emotionaler Appell).

(Logos = Logik in der Sprache, im Wort.

Zusammengefasst:   "Im Anfang war das Wort (der Sohn, die Wahrheit) und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott (göttlich). Im Anfang war es bei Gott.")


Das Frühjudentum kannte zwei unterschiedliche religionsphilosophische Ausformungen. In Palästina selbst waren (trotz der Zugehörigkeit zum hellenistischen Großraum) die eigenen, vor allem apokalyptischen Traditionen bestimmend und Gott wird aufgefasst als Anfang und Ende der Geschichte und stets präsenter Herr und König, der willentlich in die menschlichen Handlungsabläufe eingreift. Jahwe ist "Geschichtsgott".
Das Diasporajudentum war stärker hellenisiert und der hellenistische Gottesbegriff war, wie wir oben sahen, ein völlig anderer: hier ist Gott innerster, letzter Grund des Kosmos und allen kosmischen Seins, selbst aber handlungsunfähig.

 

(Die Anfänge der jüdischen Diaspora reichen in Ägypten bis zum Beginn des 6. Jh. v. Chr. zurück; vor allem in Unterägypten, aber auch am Oberlauf des Nil und darüber hinaus in weiten Teilen des östlichen Mittelmeerraumes entstanden jüdische Gemeinden, die nach den Eroberungszügen Alexander des Großen im hellenistischen Einflussbereich lagen. Hier war Griechisch die Umgangssprache der Juden, sie schufen die griechische Übersetzung der Heiligen Schrift (Septuaginta) und eigneten sich andere Elemente der griechischen Kultur, z. B. in Philosophie und Literatur an).

 

Um die Zeitenwende gebrauchte der jüdisch-hellenistische Denker Philon von Alexandria (25 v. – 50 n. Chr) den Begriff Logos, um die jüdische Tradition mit dem platonischen Gedankengut der Ideen- und Formen des "Wahrhaft-Wirklichen" zu verbinden. Nach Philons Auffassung vermittelt der transzendente, kosmische Logos zwischen Gott und der Welt. Er bezeichnet ihn mit "Gottes Sohn", "Wort Gottes", "Weisheit Gottes" oder "göttliche Vernunft", welche der Welt innewohnt. Die Erzväter und Moses seien Inkarnationen des Logos gewesen.

Logos ist für ihn ferner das Schöpferwort, durch das Gott die Welt erschaffen hat (1.Mose 1), als Schöpfungsmittler (»Weisheit Gottes«) das sie ordnende und gestaltende göttliche Prinzip; und später in der christlichen theologischen Adaption (auf Johannes 1,14 zurückgehend) das präexistente »Wort« Gottes, das in Jesus Christus »Fleisch« (Mensch) geworden ist, um den Menschen das Heil zu vermitteln.

 

Seinem Selbstverständnis nach ganz Jude, bemühte sich Philon von Alexandrien (auch Philo Judaeus genannt), mithilfe  allegorischer Mittel nachzuweisen, dass die zentralen Inhalte der griechischen Philosophie bereits in den alttestamentlichen Schriften vorhanden seien und nur noch freigelegt werden müssten. Seine Theologie ist von einem starken Dualismus geprägt: Gott erschafft und erhält die Welt, ist aber absolut jenseits und für menschliches Erkennen unerreichbar. Die Kluft zwischen Gott und Welt muss daher durch Vermittlungsgestalten überbrückt werden. Neben der Weisheit (Sophia) wird der Logos bei Philon zum Zentralbegriff.

"..dies Allgemeinste aber ist Gott, und nach ihm kommt die göttliche Vernunft. Das eine ist der göttliche Logos, das andere aber der dem Logos übergeordnete Gott; letzterer ist aller menschlichen Erkenntnis entzogen, und Gott selbst hält es für unter seiner Würde, zur Sinnlichkeit zu kommen, und schickt seine Logoi den Tugendliebenden zu Hilfe. In der Sinnlichkeit begegnet man also Gottes Logos. Der Logos, das Wort ist Vermittler aller Gaben..., durch das er auch die Welt erschuf. Er  ist das erste "Werk" Gottes, aber allen anderen Dingen vorausgehend."

Er hat aber bei Philon zwei Naturen: eine körperliche und eine geistige. Als Körper ist er die sinnlich wahrnehmbare Welt, als Geist der diese Welt nach stoischer Lehre von innen her durchdringende und zusammenhaltende Logos, der den äußerlich sichtbaren Kosmos »angezogen hat wie ein Gewand«. Philon schreibt: "Dieser Kosmos jedoch ist der jüngere Sohn Gottes, da er sinnlich wahrnehmbar ist; denn den älteren, den er eine Idee nannte — er ist nämlich geistig(siehe Platon), würdigte er des Erstgeburtsrechts und beschloss, dass er bei ihm bleibe." Dementsprechend heißt es auch im Prolog des Johannesevangeliums (auf den weiter unten ausführlicher eingegangen wird): "Im Anfang war der Logos, und der Logos war bei Gott, und ein Gott war der Logos. Dieser war im Anfang bei Gott. Alles ist durch ihn gemacht, und ohne ihn ist nichts gemacht, was gemacht ist".

 Philon von Alexandrien setzt die Begriffe "Logos" und "Weisheit" gleich. Er nennt die Weisheit Gottes "Logos", aber den Logos auch die "Quelle der Weisheit" und die Weisheit die "Quelle des Logos". Die Erzväter und Mose sind Inkarnationen des Logos gewesen . Er kommt als erster nach Gott und heißt, (wie später Christus im Hebräerbrief, Hebr 5ff.) der Hohepriester der sündlos ist und Gott zum Vater, die Weisheit zur Mutter hat. Er ist eikôn, Bild des Seienden. Ein bekannter hellenistischer Begriff und in den göttlichen Attributen Weisheit, bzw. Wahrheit in der allegorischen Dichtung poetisch und in der Kunst als Gemälde, bzw. Statue bildlich dargestellt! Er heißt ferner Gottes Erstgeborener, der Erzengel mit vielen Namen, Schöpfer. Er steht an der Grenze zwischen Gott und Mensch als Fürsprecher der allzeit hilfebedürftigen Sterblichen vor dem Unvergänglichen; andererseits ist er der Abgesandte des Herrschers bei den Untertanen. Er ist die oberste Idee und erster Sohn Gottes. Nicht ungeschaffen wie Gott ist er, nicht geschaffen wie der Mensch, aber er steht zwischen den beiden als der von Gott ausgehende Strom der göttlichen Vernunft und der Projektion der Vernunft, als Naturgesetz aber auch im mystischen Sinne, als höchste Wirklichkeit, die der Eingeweihte  empfängt. Als Stellvertreter des großen Königs ist der Logos Hirte der heiligen Herde. Priester, Prophet, König sind seine Ämter, auch Paraklet = Fürsprecher, sowohl um Sünden zu vergeben als auch um des unerschöpflichen Glückes zu versichern. Er hat keinen Anfang und kein Ende in der Zeit. Er dient dem Schöpfer zum Unterpfand dafür, dass die Schöpfung nicht gänzlich von ihm abfalle, und er gibt der Schöpfung das frohgemute Vertrauen ein, dass der gnädige Gott sein eigenes Werk niemals vergessen wird . Als Archetypus und Mittler des Schöpfungsplanes, dessen sich Gott zur Welterschaffung bedient, wird er zum Vorbild des gottesbildlich geschaffenen Menschen; durch ihn wird die Transzendenz des Monotheismus mit göttlicher Immanenz verbunden. In der Anthropologie bildet die Ebenbildlichkeit die Grundlage des freien Willens des Menschen und befähigt ihn zu unmittelbarer Schau Gottes. Trotz einer pessimistischen Sicht der Leiblichkeit hält Philon an der grundsätzlichen Möglichkeit einer Überwindung der Sünde durch Änderung des Lebenswandels eines Menschen fest, mit dem göttlichen Logos als Führer auf dem rechten Weg, solange er noch nicht zur geistlichen Reife gelangt ist.

 Philon verfasste historische und apologetische Schriften und trat vornehmlich als Kommentator des Pentateuch (5 Bücher Mose) hervor. In seiner Verbindung von Heiliger Schrift und platonischer Philosophie wurde er wegweisend für frühchristliche Theologen wie Clemens von Alexandria und Origenes, über die sein Denken auch Eingang in die christliche Mystik fand, wie für den christlichen Neuplatonismus insgesamt.

 Als hypostasierte (substantialisierte, personifizierte) Gestalt, wurde der Logos zum Prinzip der Schöpfung. Dieses Schema ist bei Philon, im vorchristlichen Teil des Johannesprologs (siehe unten)  und bei den frühchristlichen Apologeten greifbar und wird dann auf Christus übertragen.

Die hellenistische Welt-Transzendenz steht der jüdischen Geschichts-Transzendenz gegenüber und führt nach und nach zur Synthese. D.h. die Hypostasierung (Personifizierung) der Funktionen und Attribute Gottes (Schöpfung, Erlösung, Wahrheit, Weisheit) ermöglichte es den Diasporajuden, dem Gott ihrer Väter, Jahwe, dem von außen handelnden Geschichtsgott, denjenigen Gott, den sie als Griechen kannten, der die Welt von innen, von der Mitte des Seins her konstituiert, hinzuzufügen. Diese Vorstellungen brachten sie zunehmend in den "Weisheitsbegriff" ein, den sie mit dem Logos identifizierten.

 

(Nun ist es angebracht, den Begriff der Hypostase zu erklären: (griech. hypostasis, hypokeimenon, ousia, lat. substantia, dt. Substanz). Nach dem Scholastiker ALBERTUS MAGNUS ist eine Hypostase eine Substanz mit Eigenschaften: »Hypostasis est  substantia cum proprietate,« oder auch die Substantialisierung, Verwirklichung eines Abstraktums, eines Begriffs, durch Hinzufügen von Eigenschaften (Attributen); zusammengefasst:  eine Methode, abstrakte Begriffe in etwas zu verwandeln, das selbständig, als "Person" (von lateinisch persona: Maske, Rolle) vorkommt.

In der Mythologie insbesondere nennt man Hypostase eine Figur, welche sich von einer anderen abgelöst hat (indem irgend eine besondere Eigenschaft oder ein Beiname einer Gottheit von dieser getrennt und zu einer selbständigen Persönlichkeit umgeschaffen wurde, z. B.  Gott Vater - Gott Sohn - Gott Geist), sowie den Akt dieser Ablösung selbst.

Davon abgeleitet bedeutet hypostasieren, etwas als gegenständlich existierend denken, zur Substanz machen; hypostatisch, gegenständlich, substantiell, wesentlich.

Boëthius Anicius Manlius Severinus(480 - 524) römischer Staatsmann, Philosoph und Logiker hatte in christologischen Auseinandersetzungen versucht, den Begriff Person, dessen Verständnis bei Augustinus noch nicht eindeutig ist, zu definieren als "individua substantia rationa(bi)lis naturae", als "individuelle Substanz geistiger Natur". "Person" wäre also geistige Individualität, in unserem Falle eben die Verwandlung der "Wahrheit" oder "Weisheit" in die Individualität des Logos.

 

Exkurs: "Substanz" in der Philosophie.

(Substanz   ist nach Aristoteles das, was im eigentlichen Sinne seiend ist [Metaphysik VII.1]. In der Kategorienschrift definiert Aristoteles eine Substanz als dasjenige, was nicht von einem Zugrundeliegenden prädiziert werden kann und nicht in einem Zugrundeliegenden ist. Das wichtigste Merkmal einer Substanz ist für Aristoteles, als dasselbe beharren zu können und wechselnde Eigenschaften annehmen zu können.
Aristoteles sieht in der Kategorienschrift einzelne Dinge wie Menschen und Pferde als Substanzen an. Im 7. Buch der Metaphysik betrachtet er nur die Form der Dinge als Substanzen.

Die aristotelische Tradition unterscheidet dementsprechend zwischen primärer und sekundärer Substanz. Bei der primären Substanz handelt es sich um das konkrete individuelle Ding (z. B. dieser Mensch hier), bei der sekundären Substanz um eine Art (z. B. Mensch) oder eine Gattung (z. B. Lebewesen).
Eine primäre Substanz vermag durch sich selbst zu existieren, unabhängig von allem anderen. Dies unterscheidet sie von Eigenschaften und Relationen, die als Eigenschaften nur an oder als Relationen nur zwischen primären Substanzen existieren können.
Die sekundäre Substanz ist eine Essenz (ein Wesen).

Descartes bestimmt die Substanz als etwas, das existiert und zu seiner Existenz nichts anderes benötigt. In diesem Sinn ist Gott für Descartes die einzige Substanz. Allerdings begreift Descartes auch das materielle Ding und die Seele als Substanz, weil sie als Geschaffene für ihre Existenz nur Gott benötigen.
Descartes differenziert zwischen wesentlicher und zufälliger Eigenschaft, Attribut (Essenz) und Modus (Akzidens). Seiner Meinung nach kann man ein Attribut nicht bestimmen, ohne es zugleich einer Substanz zuzuschreiben. Wenn es ein Attribut gibt, muss es auch eine Substanz geben, der es angehört.
Umgekehrt lässt sich eine Substanz nicht ohne ihre Eigenschaften auffassen, weil die Unterscheidung von Substanz und Attribut eine Distinktion der Vernunft ist. Die wesentliche Eigenschaft der Seele liegt im Denken. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich nicht denke, während ich mir sehr gut vorstellen kann, keinen Körper zu haben. Die wesentliche Eigenschaft oder das Attribut der materiellen Dinge liegt in der Ausdehnung; denn um sie als materielle Dinge überhaupt identifizieren zu können, ist Ausdehnung notwendig.
Spinoza bestimmt die Substanz als das, was in sich ist und durch sich begriffen wird, und das Attribut als das, was für den Verstand die Wesensbeschaffenheit der Substanz ausmacht. D. h. die Dinge und der menschliche Geist sind seiner Meinung nach keine selbstständigen Substanzen: „Gott allein ist die eine und einzige Substanz; Dinge und menschliche Geister sind nur Modi dieser einen Substanz".  Spinoza nennt sie Gott oder Natur (deus sive natura).
Existierten mehrere Substanzen, müsste es für diese Vielheit auch eine Erklärung geben. Das würde bedeuten, dass sich die Substanz als Wirkungen von Ursachen erklären ließen. Da eine Substanz jedoch als das bestimmt ist, was aus sich selbst heraus verstehbar ist, muss sie ihre eigene Ursache sein.
Für Leibniz gibt es unendlich viele Substanzen, die er "Monaden" nennt. Bei Monaden handelt es sich um nicht ausgedehnte, unteilbare, unvergängliche und geschaffene Entitäten, die die Fähigkeit zu wirken besitzen. Sie fungieren als logische Subjekte. Da nach Leibniz das Prädikat in einem wahren bejahenden Satz immer im Subjekt enthalten ist, umfasst jede einzelne Substanz alles, was sich mit ihr jemals ereignen kann. D. h. die Substanz ist von allem anderen unabhängig.
Für Locke zeigt unsere Erfahrung, dass bestimmte Eigenschaften regelmäßig zusammen auftreten. Um auf die Summe dieser Eigenschaften zu referieren, benutzen wir sprachliche Ausdrücke (Wörter), wobei wir annehmen, dass es Dinge gibt, die ihnen entsprechen. Wir schließen auf die Existenz von etwas zugrunde Liegendem, das die jeweiligen Eigenschaften trägt und zusammenhält. Und dieses Unbekannte nennen wir Substanz.
Dass sich eine Substanz in diesem Sinn findet, also etwas, das bei aller Veränderung konstant bleibt, lehnt Berkeley (der zweite britische Empirist) ab. Von einer solchen Größe kann der Mensch keine Erfahrung besitzen, und deshalb kann es keine Substanz geben.
Für Kant existieren Substanzen. Die einzelnen Sinneseindrücke sind nicht nur in einem zeitlichen Nacheinander gegeben. Durch den Verstand erhält die Erfahrung vielmehr etwas Dauerhaftes.

Für Russell bezeichnet "Substanz"  in Wirklichkeit nur das vereinfachte Verfahren, Vorgänge gebündelt zusammenzufassen. Es ist der Kollektivname für eine Reihe von Ereignissen; wird mehr darunter verstanden, so bezeichnet der Begriff etwas, was völlig außerhalb unseres Wissensbereiches liegt und daher unbrauchbar ist, um auszudrücken, was wir wissen. Kurz, "Substanz" ist ein metaphysischer Irrtum, der dadurch entsteht, dass die Struktur von Subjekt-Prädikat-Sätzen auf die Struktur der Welt übertragen wird.
In der modernen analytischen Philosophie wird der Begriff der Substanz weitgehend vermieden.
(Siehe auch eucharistische Substanz)

 
Im Hellenismus wurde der Logos zum führenden Begriff der Philosophie. Er löste die  mehr weiblich und umfassender geprägte "Sophia" (Philo-Sophia) ab, wurde auf "Männ-lichkeit" reduziert, (Männlichkeit Gottes) und über-lagerte schließlich die Sophia.  In der Gestalt Christi stellte der Logos  die Sophia in den Schatten und eignete sich in Form von Attributen ihre Fähigkeiten an.

 

Und noch eines muss beachtet werden: Schon vor der Zeitenwende entstand im Mittelmeerraum eine neue religiöse Strömung, die sich parallel zum Christentum ausbreitete und sowohl mit, als auch in diesem existierte: die Gnosis. Ihr zufolge geschieht Erlösung durch Erkennen, (Gnosis) durch die aus der Weisheit geborenen Erkenntnis, "wo wir waren, wohin wir geworfen sind, wohin wir eilen, wovon wir erlöst worden sind, was Geburt ist und was Wiedergeburt."  (Clemens von Alexandrien). Es handelt sich bei der Gnosis, was die Funde bei Nag Hammadi 1945/46 bestätigten, um eine eigen-ständige spätantike Religion, die in unterschiedlichen Organisationsformen auftrat und sich, wie dann das Christentum auchfremder religiöser Traditionen bediente indem sie sich deren Mythen aneignete, aber dennoch daraus eine eigene Einheit formt. (Eine Leseprobe aus den Schriften von Nag Hammadi, das Gebet des Apostels Paulus, ist weiter unten dokumentiert). Durchgehend ist ein Weltpessimismus erkennbar, der Mensch erlebt sich als fremd in dieser Welt und er leidet an ihr. Das aber zeigt, dass er auf eine bessere Wirklichkeit angelegt ist, welche er in sich trägt. Er ist in sich gespalten und schwankt zwischen Gut und Böse, wobei "Gut" den Geist und "Böse" das Materielle verkörpern. So entsteht ein dualistisches Gottesbild mit dem oberen, jenseitigen geistigen und guten Gott der sich  im "Pleroma" (vergleichbar dem biblischen Himmel) mit dessen Einwohnern, den Äonen, aufhält und auf der anderen Seite dem unfähigen, unwissenden, materiellen Weltschöpfer, dem Demiurg mit seinem Anhang, den Archonten und  Planetengeistern und deren Ausfluss: die Materie, der Kosmos, die Menschen. Einer der Äonen des guten Gottes übernimmt die Aufgabe, die dem Irrtum verfallenen Seelen in den Menschenleibern die "wahre" Erkenntnis zu übermitteln (vergleichbar dem Logos) und sie zu "erlösen". Dieser Erlöser ist dann im Christentum, das sich oftmals den Lehren der Gnosis bediente, Jesus Christus. Wer das Neue Testament der Bibel aufmerksam liest, dem wird die Gnosis sowohl in den Evangelien (besonders Johannes), wie auch  in den Briefen (besonders Paulus) offenbar und auch beim Weltbild des Augustinus wird sie erkennbar. Wie wir noch  bei Justin sehen werden, schälte sich bereits im ersten nachchristlichen Jahrhundert das Schema heraus, dessen sich die Kirche noch heute bedient: sie eignet sich die ins eigene System passenden Teile des Gedankengutes aus fremden Kulturen und Fachrichtungen an und erklärt sie für die eigene Wahrheit, brandmarkt dann die fremden Schriften als Ketzerei und versucht deren Urheber kalt zu stellen, wobei sich, je nach Zeit und Umfeld, nur die Wahl der Mittel hierfür änderte. Damit wurde allerdings die Gnosis nicht überwunden, sondern lediglich dem Christentum reduktionistisch einverleibt: Der eine gute Gott allein konnte das Zustandekommen von Schöpfung und Erlösung nicht erklären: mindestens der Logos/Sohn/Christus und der Geist (der Erkenntnis) waren zur Lösung dieser Frage unverzichtbar und aus christologischen Motiven waren es nur diese beiden, zusammen mit Gott die drei Personen der Dreifaltigkeit.

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Das heißt: hier wurde, ausgehend vom philosophisch-hellenistischen "Logos", über den gnostischen "Erlöser", in einem induktiven Vorgang, oftmals berauscht von den schönen Worten, aus dem "Wort" über den philosophischen Logosbegriff, der metaphysische, Gott immanente Logos (Lógos endiátheos) sowie der Weltschöpfer, der "im Anfang" aus Gott heraus trat (Lógos proforikós), geschaffen.

Deswegen ist die folgende deduktive Reduktion ein legitimer, erkenntnistheoretischer Vorgang.

 

Das vierte Evangelium, das Evangelium des Johannes, so erkannte Calvin, ist der Schlüssel für die vorangehenden drei. Der Verfasser des vierten Evangeliums lebte noch in der alten theosophischen Sphäre des ursprünglichen Christentums: in der Diktion war er gemäßigter Gnostiker, der als Kirchenmann gnostischen Stoff in christlichem Geist bearbeitete. ("Theosophisch" hier in der ursprünglich griechischen Sammelbezeichnung gedeutet, als "Gottesweisheit", die in mystisch-religiöser und spekulativ-naturphilosophischer Schau die Welt als Erschaffung Gottes  erfasst, was nur Auserwählten vorbehalten war ).

Das Johannesevangelium weist Übereinstimmung mit Marcions Richtung auf: beide legen den Nachdruck auf das vollständig Neue der Erscheinung und Botschaft Christi, auf seine überirdische Art und Gottheit; bei beiden erweckt sich Jesus selber  'von den Toten', bei beiden ist Gott Geist, kein Richter, sondern Erlöser; ihr Urteil über die Juden lautet gleichermaßen ungünstig. (Marcion, ca. 85-160 n. Chr. wurde 144 wegen Häresie exkommuniziert. Aus dem Gegensatz zwischen Altem Testament und Neuem Testament schloss er auf zwei Offenbarungsgottheiten (gnostische Elemente), die er als unversöhnlich gegenüberstellte: den »bekannten« Gott der alttestamentlichen Schriften, der die Welt geschaffen habe und als strafender Gott (ohne Liebe) durch Gesetz und Vergeltung regiere, und den »fremden« Gott der Liebe und des Erbarmens, welcher Jesus, den Christus zur Erlösung der Menschen aus der von dem alttestamentlichen Schöpfergott (Demiurgen) geschaffenen unvollkommenen Welt gesandt hat. Die gnostische Lehre ist bei ihm gut erkennbar. Marcion verwarf das Alte Testament und die »judaistisch verfälschten« Teile des Neuen Testaments).

 

Der Prolog zum Johannesevangelium war ursprünglich ein vorchristlicher Hymnus, der in Gottesdiensten jüdisch-hellenistischer Gemeinden gebetet wurde. Er zeigt, dass die Vorstellung von einem Logos als immanentem Weltschöpfungs-Prinzip neben Gott in der jüdischen Diaspora weiter verbreitet war. Alle Schriften des Neuen Testamentes sind von Diasporajudenchristen (auch Johannes ist  zu ihnen zu zählen) verfasst worden. Dies war ein Glücksfall für die spätere Inkulturation des Christentums im Imperium Romanum, weil diese Schriften eine Brücke von seinen palästinensischen, unbekannten Anfängen zu seinem neuen Adressaten, der hellenistischen Kultur, bildeten.

Schöpfungswerkzeug Gottes und Offenbarungsträger sind im Prolog des christlichen Johannesevangeliums dann genau die Funktionen  des Logos  aus Philons Gedankenwelt und er macht dort nichts anderes, als sich selber zu verkündigen. Christus ist der Logos und verkündet den Logos, und der Logos offenbart sich nicht nur als hypostasierte Person in ihm, sondern er offenbart sich ebenso als das durch ihn gesprochene Wort. "Im Anfang war der Logos, und der Logos war bei Gott, und der Logos war Gott (göttlich). Im Anfang war er bei Gott. Alles ist durch den Logos geworden, und ohne den Logos wurde nichts, was geworden ist. (Joh.1,1 – 1,3). Und der Logos ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. (Joh.1,14). 

So gesehen ist Gott ein Geschöpf aus der Vorstellungswelt des Menschen und so musste er notwendigerweise (in der Gedankenwelt seiner Zeit) über die Hypostase inkarnieren = Mensch werden.

Kehren wir die Mensch gewordene Hypostase um zur  mythisch philosophischen Version, so erhalten wir den (deutschen) Wortlaut der heutigen Bibel: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott (göttlich). Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist". Dabei muss allerdings festgestellt werden, dass die Bedeutungen und der Inhalt der Begriffe "Logos" und "Wort" und die Wortspielerei zwischen diesen Begriffen in der deutschen Übersetzung nur höchst unvollständig wiedergegeben werden können.  Doch in der Vielschichtigkeit des Logos-Begriffes liegt zugleich der Schlüssel zum kirchlichen Wahrheitsverständnis. Wort, Lehre (Evangelium), Wahrheit, Sinn, hypostatische Person, das alles ist im "Logos" enthalten und ist austauschbar, sowohl grammatikalisch, als auch hypostatisch.

 

Einschub: Liebe Kirche:

Einer eurer Großen, Heinz Zahrnt, hat einmal gesagt: „Zwar ist die Bibel das Licht des Glaubens, das in der Welt leuchtet, aber die Gegenwart liefert den Sauerstoff, der das Licht erst zum Brennen bringt, (sodass) aus dem Buchstaben wieder der Geist hervorgeht. Wollen wir verbindlich sagen, was die Bibel sagt, dann müssen wir es anders sagen; unter Umständen müssen wir sogar etwas anderes sagen.“

Das Verhängnis der Religionen ist das Wort. Das Wort in den sogenannten "Heiligen Schriften". Zu wieviel Kriegen hat es geführt und führt es heute noch. Und das "Wort" soll am Anfang gewesen sein?

Ich mache euch einen Vorschlag: " Im Anfang war die Liebe, und die Liebe war bei Gott, und die Liebe war Gott (göttlich). Im Anfang war sie bei Gott. Alles ist durch die Liebe geworden, und ohne die Liebe wurde nichts, was geworden ist. In der Liebe war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.....  Und die Liebe ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt."

Vgl. 1.Joh.4,16: "Gott ist Liebe. Wer in der Liebe lebt, der lebt in Gott, und Gott lebt in ihm."

vielleicht könnten eure Gläubigen damit mehr anfangen?

Der Jesus-Logos als inkarnierter (fleischgewordener) Gott des Neuen Testamentes wird aufgrund seines geschichtlichen Handelns nach seinem Tode in göttliche Würden eingesetzt (Konzil von Nicäa 325 und folgende). Ein Vorgang, der sich widerspricht, denn zunächst einmal ist Christus als Logos ja schon  Gott von Anfang an gewesen, danach wird ihm diese Würde aber erst nach seinem (menschlichen) Tode zuteil, ohne dass er dann natürlich wirklich Gott ist, denn Gott kann man nicht werden, allenfalls Götze. Diese Inkonsequenz zeigt, wie neuartig und fremd die hellenistische Inkarnations-Christologie, die Jesus Christus eine zweite, göttliche Natur zuspricht, zunächst noch empfunden wurde.           

                                                                                       Ob die alten Philosophen sich das so vorgestellt haben?

 

 

Das Gebet des Apostels Paulus in den gnostischen Schriften aus Nag Hammadi, gefunden im Dezember 1945.

 

(ca. 2 Zeilen fehlen)...

...dein Licht, laß mir zukommem dein Erbarmen!

Mein Erlöser, erlöse mich, denn ich gehöre zu dir;

ich bin der, welcher hervorgekommen ist aus dir.

Du bist mein Verstand (Anm.: Logos): bringe mich hervor!

Du bist mein Schatzhaus; öffne dich für mich!

Du bist meine Fülle; nimm mich zu dir!

Du bist meine Ruhe; gib mir das Vollkommene,

dessen man sich nicht bemächtigen kann!

Ich flehe dich an, du der ist,

und du der ist, der zuerst existierte in dem Namen,

der erhabener ist als alle Namen,

durch Jesus Christus,

den Herrn der Herren, den König der Äonen:

Gib mir deine Gaben, um die es dich nicht reut,

durch den Sohn des Menschen, den Geist,

den Parakleten der Wahrheit.

Gib mir Macht, da ich dich bitte;

gib Heilung für meinen Körper,

(Anm.: Hinweis auf Paulus körperliche Gebrechen, auch in seinen Briefen gibt es Hinweise darauf)

da ich dich bitte durch den Evangelisten;

 (Anm.: Hier ist wohl Christus, der Logos gemeint, da die Evangelisten erst nach Paulus schrieben. Siehe auch im übrigen Text die Gleichsetzung von Logos, Evangelium, Christus).

und erlöse meine ewige Licht-Seele und meinen Geist.

Und den Erstgeborenen (Röm 8,29; Kol 1, 18) des Pleroma der Gnade - enthülle ihn meinem Verstand!

Gewähre, was kein Engel-Auge gesehen hat

und kein Archonten-Ohr gehört hat

und was nicht eingegangen ist in das Menschen-Herz,

was entstanden ist in engelhafter Weise und gebildet wurde

nach dem Bild des psychischen Gottes,

als es gebildet wurde am Anfang.

Da ich Glauben und Hoffnung habe, füge mir hinzu

deine geliebte, auserwählte und gesegnete Größe,

den Erstgeborenen, den Erstgezeugten,

und das wunderbare Geheimnis deines Hauses!

Denn dein ist die Kraft und die Herrlichkeit und das Preisen

und die Größe in alle Ewigkeit.

( "Bibel der Häretiker" Lüdemann, Janßen, Radius 1997, ISBN 3-87173-128-5)

 

Liest man das Neue Testament der Bibel nicht mit unseren heutigen Augen, sondern mit den Augen der Menschen aus der Entstehungszeit, unter dem Nachwirken der griechisch / römischen mythologischen Götterwelt, die damals ja noch parallel existierte und unter dem Einfluss der Gnosis (siehe vorstehendes Gebet), dann ist Jesus nicht Mensch, sondern er gleicht dem Götterboten der griechischen Mythologie, und dem Äon des guten Gottes aus der Gnosis, der als Logos auslegt, unterweist und den Menschen Dinge von Gott mitteilt. Dieser "Christus-Logos", von Philon auch "Sohn Gottes" genannt, wurde von Gott aus dem Himmel zu uns gesandt, und zwar um uns zu erlösen (sôzein). Als Mittler und Offenbarer der verborgenen und kosmisch schaffenden Macht steht er als Paraklet (Fürsprecher) zwischen Gott und Materie, bzw. Mensch (spätere christliche Zweinaturenlehre). Er ist das Bild (eikôn) Gottes, so wie der Mensch seinerseits ein Bild des Logos ist (Ebenbildlichkeit des Menschen mit Gott).

Dabei begegnen wir wieder der typisch hellenistischen Personifizierung von abstrakten Begriffen: der Logos wird mit einer mythischen und/oder menschlichen Gestalt, in der griechischen Mythologie erst mit Hermes, von den Christen dann mit Jesus Christus identifiziert und dargestellt; der Mythos erhält philosophische Bedeutung und umgekehrt die Philosophie eine mythische Einkleidung. Die heilige Geschichte, Geheimlehre, Schrift, Evangelium oder Offenbarung selbst,  heißt  als geschriebenes oder gesprochenes Wort der Bibel ebenfalls "Logos". (hier: Lehre).

 "Denn lebendig ist das Wort Gottes, kraftvoll und schärfer als jedes zweischneidige Schwert; es dringt durch bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Gelenk und Mark; es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens; vor ihm bleibt kein Geschöpf verborgen, sondern alles liegt nackt und bloß vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft schulden." (Hebr 4, 12-13).

Logos und Wahrheit, Logos und Evangelium finden wir auch dort miteinander identifiziert, wo gesagt wird, dass Gott in uns „das Wort der Versöhnung" aufgerichtet hat, was sowohl das Evangelium bedeuten kann wie den „Christus in uns". Gott soll seinen Logos geoffenbart haben in der Verkündigung (Predigt) des Apostels (Tit 1,3). Und wenn Hebr 6,1 über den Anfangslogos Christi (Lehre vom Anfang christlichen Lebens) spricht im Gegensatz zur Christusgnosis (Erleuchtung, Erkenntnis, 6,4-5) dann ist Logos somit dasselbe wie „Lehre". Das Wort der Wahrheit, wodurch Gott uns geboren hat, der Logos mit anderen Worten, der nach dem vierten Evangelium die Wahrheit ist und der uns nach seinem Willen  durch das Wort der Wahrheit zu Erstlingen von Gottes Schöpfung macht (Jak.1,18), bedeutet sicher auch die Verkündigung des Evangeliums (vgl. 1 Petr 1,22f ..."die wiedergeboren sind... aus dem lebendigen Wort Gottes... Das aber ist das Wort, welches unter euch verkündigt ist.") Der johanneische Logos ist in den Gläubigen (1Joh 1,10; 2,14); da er das Leben ist (Joh 14,6), müssen sie an ihm festhalten (Phil 2,16; vgl. 1 Joh 1,1). Christus heißt in der Offenbarung des Johannes der Logos Gottes (19,13); er hat seine Märtyrer, die um des Logos Gottes willen geschlachtet werden, und es gibt das Blutzeugnis, nämlich von dem fleischgewordenen Logos Jesus (6,9). Das jüdische religiöse Denken zur Zeit Jesu und im Urchristentum war (auch bei den Diasporajudenchristen) mit apokalyptischen, endzeitlichen Vorstellungen verknüpft und dieser Überzeugung zufolge setzte das Reich Gottes das Blut der Heiligen und Märtyrer voraus zur Sühne und Erlösung. (Siehe auch M27 ).

Paulus, im hellenistisch - philosophischen Denken gleichermaßen verwurzelt wie in der jüdischen Religionsphilosophie, kann als "Gebundener Jesu Christi" (Philemon 1 und 9), von sich sagen, dass ihm in den "Banden des Evangeliums" gedient wird (13). (Interessant und entlarvend übrigens, dass neuere Bibelübersetzer im Philemonbrief und anderen Paulusbriefen  die durch Jesus Christus, bzw. das Evangelium im übertragenen Sinne "Gefangenen", bzw. "Gebundenen" – hier Paulus, Onesimus und Epaphras wörtlich ins Gefängnis stecken! Da dies zugleich ein Musterbeispiel für die Verfälschung der sog. 'Heiligen Schrift' ist seien hier einige Beispiele im Wortlaut gegenübergestellt aus der Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers, Stuttgart 1913, und der Bibel in heutigem Deutsch, Stuttgart 1987 (letztere rot und schräg):

Phlm 1: Paulus, der Gebundene Christi Jesu...
(Paulus, der für Jesus Christus im Gefängnis ist...)
Phlm 9....ein alter Paulus, nun aber auch ein Gebundener Jesu Christi. 10. So ermahne ich dich um meines Sohnes willen, Onesimus, den ich gezeugt habe in meinen Banden..)
(Ich, Paulus, ein alter Mann, der jetzt auch noch für Jesus Christus gefangen ist. 10. bitte dich für Onesimus. Hier im Gefängnis habe ich ihn zum Glauben geführt, und so wurde er mein Sohn).
Phlm 13: Denn ich wollte ihn bei mir behalten, dass er mir diente an deiner Statt in den Banden des Evangeliums
(Ich hätte ihn gerne bei mir behalten; denn er hätte mir an deiner Stelle gute Dienste leisten können, solange ich für die Gute Nachricht im Gefängnis bin.)
Phlm 23: Es grüßt dich Epaphras, mein Mitgefangener in Christo Jesu...
(Epaphras, der mit mir für Jesus Christus im Gefängnis ist, lässt euch grüßen...)

Oder Epheser 3,1: Derhalben ich, Paulus, der Gefangene Christi Jesu für euch Heiden... (sinngemäße Fortsetzung: das Amt zur Verkündigung durch die Gnade Gottes bekommen habe)

(Deshalb bete ich, Paulus, für euch zu Gott. Ich bin im Gefängnis, weil ich Jesus Christus diene. Um euretwillen leide ich dies alles.)

Phil 1,7: Wie es denn mir billig ist, dass ich dermaßen von euch allen halte, darum dass ich euch in meinem Herzen habe, in diesem meinem Gefängnis, darin ich das Evangelium verantworte und bekräftige..

(Wenn ich an euch denke, bin ich voll Zuversicht. Ich kann gar nicht anders, denn ich trage euch alle in meinem Herzen, gerade jetzt, da ich für die Gute Nachricht im Gefängnis bin und sie vor Gericht verteidige und ihre Wahrheit bezeuge.)

Phil 1,12ff.: Ich lasse euch aber wissen, liebe Brüder, dass, wie es um mich steht, das ist nur mehr zur Förderung des Evangeliums geraten, also dass meine Bande offenbar geworden sind in Christo in dem ganzen Richthause und bei den andern allen, und viele Brüder in dem Herrn aus meinen Banden Zuversicht gewonnen haben.

(Anm.: auch das Richthaus ist hier in übertragenem Sinne gemeint wie oben "Gefängnis meines Herzens", so hier "Richthaus des Herzens" gleichzusetzen mit Jesus Christus. Siehe auch oben im Gebet des Apostel Paulus "Du bist mein Schatzhaus" oder in Hebr. 3,2ff. das Haus, das bereitet wird, das Haus, das wir sind; 1 Tim 3,15: im Hause Gottes, welches ist die Gemeinde..., also "Haus" im übertragenen, geistigen Sinne.)

(Ihr sollt wissen, Brüder, dass meine Gefangenschaft sogar zur Verbreitung der Guten Nachricht beigetragen hat. Die Beamten am Sitz des Statthalters (?) und alle, die meinen Prozess (?) verfolgt haben, wissen jetzt. dass ich angeklagt bin, weil ich Christus diene. (?) Auch hat meine Verhandlung (?) die Mehrzahl unserer Brüder in Ihrem Vertrauen zum Herrn bestärkt).

So schreibt man biblische Geschichte(n)! So macht man religiöse Eiferer zu Märtyrern. Verstanden hat man es überall da, wo er sich in den alten Übersetzungen im Eingangsgruß der Briefe als "Knecht" Gottes oder als "Knecht" Jesu Christi bezeichnet, denn hier heißt es in der neuen Übersetzung "Diener" Gottes oder "Diener" Jesu Christi oder "Diener" des Evangeliums und nichts anderes ist mit dem "Gebundensein an" oder "Gefangensein durch" das Evangelium (durch den LOGOS) gemeint. "Ich bin mit Christus gekreuzigt. Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir." (Gal. 2, 20.) Dies kann er nur aus der griechischen, heidnischen Vorstellung vom Geiste Gottes heraus meinen. Christus ist für ihn ein Pneuma. Er sagt selbst: »Der Herr ist der Geist« (Logos) (2. Kor. 3,17), und so lebt er selbst gar nicht mehr, Christus lebt in ihm, spricht aus ihm, ist er selbst geworden. Der Gott der griechischen Propheten seiner Zeit ist in Abwandlung des Logos ein Geist, ein Pneuma von feuriger Natur, das nicht über den Menschen kommt, sondern in ihn eingeht. In der Ekstase verlässt die menschliche Seele den Körper, um dem göttlichen Pneuma Platz zu machen, das nun an die Stelle der Seele tritt, den Menschen ganz erfüllt, ihn von innen her umwandelt und zum Gotte macht. In Paulus redet (nach seiner Vorstellung)Christus. Paulus wurde vom Logos, von der Guten Nachricht, von Jesus Christus gefangen genommen. (Damaskuserlebnis).
 

Zur Zeit des Paulus existierten noch keine von Evangelisten geschriebenen und kanonisierten Evangelien. Evangelium (v. griech. ευαγγελιoν) bedeutet übersetzt "Gute Nachricht" oder "Frohe Botschaft" und ist bei Paulus sozusagen die erste Kurzformel für das Heil der Menschen, durch die Auferstehung Jesu Christi, dem Logos. ("Ich erinnere euch, Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht. Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet, wenn ihr an dem Wortlaut festhaltet, den ich euch verkündet habe. (Anm.: Das kann nur eine Kurzformel sein). Oder habt ihr den Glauben vielleicht unüberlegt angenommen? Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos. Wir werden dann auch als falsche Zeugen Gottes entlarvt, weil wir im Widerspruch zu Gott das Zeugnis abgelegt haben: Er hat Christus auferweckt. Er hat ihn eben nicht auferweckt, wenn Tote nicht auferweckt werden. Denn wenn Tote nicht auferweckt werden, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos, und ihr seid immer noch in euren Sünden". (1 Kor 15, 1-2, 13-17).

 

Der Logos des Herrn, der Logos  Gottes ( 1 Tim 1,11 ... "nach dem herrlichen Evangelium des seligen Gottes"; vgl. 2 Thess 3,1..."dass das Wort des Herrn laufe und gepriesen werde"), ist gleichbedeutend mit dem Evangelium Christi. Eine passende Bestätigung dafür bietet Kol. 1,23ff. Paulus, so heißt es hier, ist ein Diener des Evangeliums (23), er muss das Wort Gottes reichlich predigen (25), das Mysterium, das Christus in euch (den Heiden)  ist (27), in welchem verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis (2,3). Dass Christus das Mysterium ist, ebenso wie das Evangelium, zeigt der Vergleich von Eph.3,4ff. (..."daran ihr, so ihr's leset, merken könnt mein Verständnis des Geheimnisses Christi... dass die Heiden Miterben seien der Verheißung in Christo durch das Evangelium, dessen Diener ich geworden bin".) und 17ff. (..."dass Christus wohne durch den Glauben in euren Herzen...  und auch erkennen die Liebe Christi, die doch alle Erkenntnis übertrifft".) und weist auf die Identität von Christus und Evangelium. Die Mahnung, festzuhalten am Wort des Lebens (Phil 2,16), kann sowohl bedeuten: festzuhalten am Logos, der das ewige Leben bringt, als auch am Evangelium. Während Paulus sonst vom „Evangelium Gottes" oder einfach vom „Evangelium" spricht, lesen wir in Röm.1,9 „Gott, dem ich in meinem Geist diene am Evangelium von seinem Sohn"; das kann ein erläuternder Genitiv sein und bedeuten: das Evangelium, das sein Sohn ist. Das Evangelium heißt eine Kraft Gottes (Röm. 1,16; 1 Kor 1,18; aber auch Christus heißt Kraft und Weisheit Gottes und wird gepredigt (1 Kor 1,23-24).  Christus ist  eine Hypostase (Substantialisierung göttlicher Attribute), und Origenes beruft sich auf diesen Text, wenn er sagt, dass der eingeborene Sohn Gottes die Dynamis und Weisheit (Sophia) Gottes genannt wird, und er gebraucht in diesem Zusammenhang den Begriff hypostase.

 

Sophia - Christus - Logos

"Hagia Hesychia (Heilige Stille)"

Fr. William Hart McNichols

 

(Der Titel dieser Ikone lautet “Jesus Christus Erlöser Heilige Stille”. (Im Deutschen gibt es für den Begriff der „Heiligen Stille“ den Ausdruck „Herzensgebet“ eine Art meditativer Betrachtung). Ikonen über die „Heilige Stille“ findet man in Griechenland bis zurück ins 14. Jahrhundert, aber interessanterweise scheinen sie im Russland des 19. Jahrhunderts mehr Gestalt anzunehmen, ein Hinweis auf die Wichtigkeit dieser Ikone als ein Gebet für damals und heute.

Das Erste, was einen bei der „Heiligen Stille“ überrascht und im angenehmen Sinne schockiert ist die Tatsache, dass sie einen weiblichen Engel mit den Buchstaben „IC XC“ auf beiden Seiten oben zeigt, die aussagen, dass es sich um Jesus Christus handelt. Das ist jedoch nicht ungewöhnlich, da Ikonen, welche die göttliche Weisheit oder „Hagia Sophia“ weiblich portraitieren, bis ins 14. Jahrhundert zurück gefunden werden. In den hebräischen Schriften ist die "Weisheit" des Öfteren weiblich beschrieben. Diese „Göttliche Weisheit“ (1 Kor 1,30) wurde dann von byzantinischen Theologen auf den Sohn Gottes übertragen. Fr. William Hart McNichols). 

 

Das heißt abschließend: der Logos als göttliches Himmelswesen, welches, wie zuvor die Sophia, die Weisheit verkörpert, der Logos als (Wort und Weisheit des) Evangelium, der Logos als  "Wahrheit" (des Glaubens) werden von ihrem Wesen her als Eines gedacht. Das "Wort Gottes" in der Bibel ist stets auch mit dem "Logos Gottes" und als inkarnierte Hypostase im Christentum mit "Jesus Christus" gleichzusetzen. Bereits im Alten Testament sind Anspielungen auf eine Hypostasierung  auszumachen: (1.Chr 17, 3; 2.Chr 11, 2; Ps 56, 5; 56, 11; 147, 15-18; Sir 1, 5; 42, 15; 43, 26; Weish 18, 15). Origenes beschreibt im nächsten Kapitel diesen Vorgang im Rahmen der Allegorisierung eines Mythos. Ein ähnliches Phänomen finden wir auch bei der "Weisheit", die in der Weisheitsliteratur der Bibel personifiziert wird und in Spr. 8, 1-8, bereits bei der Weltschöpfung als wirksam gedacht wurde und in Spr. 8, 30-31 als Gottes Liebling vor ihm spielt.  Sie tritt als umherziehender Prediger auf (Spr. 1; 9, 18), und bei Jesus Sirach (24) gehören Schöpfung und Erlösung des Menschen zu ihrer Aufgabe. Ebenso wie der Logos der Stoa erscheint hier die Weisheit als Geist (Spr.1, 6); mystische Vereinigung mit ihr ist das höchste Ziel allen irdischen Strebens (Spr. 8,  9-18).

Der durch Gott gesandte (hypostatische und inkarnierte) Logos, ist sowohl "Christus" als auch das "Wort", die "Lehre" (das Evangelium), die "Wahrheit". Wenn Jesus selbst zu Gott sagt: „dein Wort ist die Wahrheit", dann deckt sich das mit seiner Selbstprädikation: „Ich bin die Wahrheit" (als Logos), oder "dein Evangelium ist die Wahrheit".  Das "Wort" der  Erlösung oder der Gnade kann sowohl "Christus" als auch das "Evangelium" sein. Typisch ist noch die Kombination; "Wort des Evangeliums", "Wort des lebendigen Gottes", die (Genitivus epexegeticus) aufgefasst werden können als: "Logos des Evangeliums" = der Logos, der das Evangelium ist; der "Logos, welcher der lebendige, der Fleisch gewordene Gott ist", aber auch "Wahrheit des Evangeliums", "Wahrheit des lebendigen Gottes", usw. Wir haben es also hier mit einem mehrdeutigen Wahrheitsbegriff zu tun der von der Kirche absolut gesetzt wird. Sie verformte dabei allerdings die  antike,  im damaligen Welt-Verständnis bereits hell leuchtende philosophisch-mythologische (modellhafte) Logos - Allegorie im Laufe der Zeit in der Person Jesu Christi zum Eia Popeia - Kindelein im Stall, zum Hokus-Pokus-Wunderwirker, Sündenbock - Erlöser für die Menschheit, Natur- und Todes - Überwinder und Himmelsfahrer, indem sie die Allegorie vergegenständlichte, sogar verabsolutierte, die Hypostase umkehrte  und den Menschen Jesus von Nazareth in einem vulgären theologischen Abstimmungsprozess auf den ersten Konzilien zum Gottmenschen, und als dieser sich nicht mehr halten ließ dann zum göttlichen Mysterium rückverwandelte  (Platon und Origenes hätten sich über einen solchen Vorgang totgelacht). Ein Faktotum namens Paulus musste dann herhalten als Übermittler und Verbreiter  des abstrakten Logos-Gottes, zur Konkretisierung des Symbols, als Subjekt der "Offenbarung" für die Kirche und ihre Amtsträger, als quasi göttliche Zwischeninstanz für die selbsternannten Heilsbringer in der angeblichen "Nachfolge" für Kultus, Ritus Sündenvergebung, Mittlerdienst und narzisstischer Selbsterhöhung. Es ist dieser Prozess der Fundamentalisierung, Utilitarisierung,  Verabsolutierung und wörtlichen Auslegung eines ehemals philosophisch-mythologischen  Modells, der das "finstere", weil abergläubische Mittelalter ausmacht, ein Prozess, der bis heute andauert und nur noch durch ständige Anpassung an gesellschaftliche Zeitströmungen quälend mühsam und oftmals "an den Haaren herbeigezogen" fortgesetzt werden kann. (Wer von sich behauptet, "ewige Wahrheiten" zu verkünden wird natürlich unglaubwürdig, wenn er sie über Bord wirft!) 

 

Merke:   Die kirchliche Wahrheit ist sehr vieldeutig und hat mit dem heute im allgemeinen Sprachgebrauch üblichen, strafrechtlich relevanten  und in der Philosophie angewandten Wahrheitsbegriff nichts zu tun! Wenn die heuitige Deutung der "Offenbarung" als geschriebenes und überliefertes Wort in der Kirche die entscheidende Rolle spielt, dann steht die kirchliche Wahrheit  auf schwachen Füßen und bleibt relativ bescheiden. Man könnte sagen, die kirchlich vertretene Wahrheitslehre ist antiintellektuell. Sie appelliert an das schlichte Gemüt, das sich kindlich und liebevoll mit seinen Wünschen an Gott, die Bibel und die angeblich vom "Heiligen Geist" geleitete Kirche wendet.
 

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