Die Manipulation des Glaubens durch die Kirche.

 „Aufklärung war der Wunsch danach, dass menschliche Angelegenheiten von der Vernunft geleitet werden, anstatt durch Religion, Aberglauben oder Offenbarung; und der Glaube an die Kraft der menschlichen Vernunft, die Gesellschaft zu verändern und das Individuum von den Fesseln der Tradition oder der willkürlichen Autorität zu befreien. All dies gestützt durch eine Weltanschauung, die zunehmend durch die Wissenschaft anstatt durch Religion oder Tradition validiert wird.“
Dorinda Outram:
The Enlightenment (1995).
 

"Der christliche Gläubige ist eine einfache Person. Aufgabe der Bischöfe ist es deshalb, den Glauben dieser kleinen Leute vor dem Einfluss von Intellektuellen zu bewahren". (Benedikt XVI, alias Kardinal Ratzinger, Predigt vom 31.12.1979, zum Entzug der "missio canonica" für Hans Küng, zitiert nach "Allen,  Joseph Ratzinger, Patmos 2002").

Zehn Gebote für einen untadeligen Christen

 

1.     Du  weißt in  Wirklichkeit über  die Bibel, das  Christentum  und die Kirchengeschichte weit weniger Bescheid, als viele Atheisten und Agnostiker, nennst dich aber trotzdem einen Christen.

2.     Du bezeichnest 0,01 % als eine hohe Erfolgsquote, in Bezug auf erhörte Gebete. Du betrachtest das als einen Beweis dafür, dass Gebete erfolgreich sind. Und du interpretierst die Fehlerquote von 99,99 % als Willen Gottes.

3.     Während die moderne Wissenschaft, Geschichte, Geologie, Biologie, Paläobiologie und Physik dich überfordern und damit nicht überzeugen können, liefern dir ein paar Gestörte, welche sich auf dem Boden wälzen und „in Zungen“ reden, die nötigen Beweise.

4.     Du glaubst, dass die gesamte Bevölkerung dieses Planeten, mit Ausnahme derer, die deinen Glauben teilen, nach ihrem Tode die Ewigkeit in einer Hölle voller Qualen verbringen wird; trotzdem betrachtest du deine Religion als die am meisten liebende und tolerante.

5.     Du bist bereit, dein Leben lang die Wissenschaft in Frage zu stellen und nach Lücken im wissenschaftlich begründeten Alter der Erde (ca. 4,5 Mia. Jahre) zu suchen, aber du findest nichts Falsches dabei, den Daten vorgeschichtlicher Stammesangehöriger zu glauben, die in ihren Höhlen und Zelten saßen und das Alter der Erde auf einige Menschen-Generationen festlegten.

6.     Du lachst über Hindu-Gläubige, die Menschen und Tiere vergöttern, oder über griechische Mythologien, in denen Götter mit Frauen schlafen, doch du hast kein Problem damit zu glauben, dass der "Heilige Geist" Maria, die "Gottesgebärerin"  schwängerte, die daraufhin einem Gott-Menschen das Leben schenkte, der getötet wurde, zurück zum Leben kam und dann zum Himmel auffuhr. *)

7.     In dein Gesicht steigt die Zornesröte, wenn du von den Gräueltaten hörst, die Allah zugerechnet werden, doch du hast kein Problem damit zu lesen, wie Gott/Jehova alle ägyptischen Erstgeborenen, einschließlich der Tiere, in „Exodus“ abschlachtete (2.Mose 12,29) und die Elimination ganzer ethnischer Gruppen, einschließlich Frauen, Kinder und Tiere in „Josua“ anordnete.

8.     Du lachst über Polytheisten (Anhänger vieler Götter), aber du hast kein Problem mit einem Gott in drei Personen. *)

9.     Du fühlst dich beleidigt und entmenschlicht, wenn Wissenschaftler behaupten, dass der Mensch aus niedrigeren Lebensformen hervorging (Evolutionstheorie), doch du hast kein Problem mit der biblischen Behauptung, dass der Mensch aus Dreck (Erde, Staub) geschaffen sei (1. Mose 2,7).

10. Du leugnest entschieden die Existenz der Götter anderer Religionen, doch du gerätst in Wut, wenn jemand die Existenz deines Gottes leugnet.

       (Aus dem Amerikanischen übersetzt).

*) Unter obskuren Umständen entstandene und für endgültige Wahrheit erklärte, auf den ersten 4 Konzilien zwischen 325 (Nicäa) und 451 (Chalkedon) entstandene christliche Lehre, teils mit Schiedsspruch von Heidenkaisern der konstantinischen, valentianischen und theodosianischen Dynastien durchgesetzt. (Siehe unten).

    

1. Beispiele kirchlicher Wahrheitsfindung als chronologische Abfolge in der Kirchengeschichte;

oder: Wie man sich seine Götter zusammenschustert.
 

"Der Pfarrer muss ein bisschen Glauben bewahren, der Dekan darf über die  Religion lächeln, der Bischof lacht laut auf und der Kardinal macht selbst noch einen Witz darüber!" (Aus einem Internetforum)

 

Ein Blick in die chronologische Abfolge kirchenhistorischer Ereignisse lässt die Methoden kirchlicher Wahrheitsfindung gut erkennen, wobei festzustellen ist, dass diese einer eigenen inneren Logik nicht entbehren:

Ca. 300 – 130 v. Chr.: Das hebräische Alte Testament wird in Alexandria ins Griechische übersetzt (Septuaginta). Dabei unterläuft der Fehler, dass die hebräische "Alma" = junge Frau (in Jes. 7,14) als "Parthenos" = Jungfrau übersetzt wird, wovon dann später die Jungfräulichkeit der Gottesmutter Maria profitierte.

Ab Mitte/Ende 1. Jh. n. Chr.: Niederschrift der Evangelien, von denen ca. 60 Versionen existieren.
Ca. 200 n. Chr.: Um den Kanon des Neuen Testamentes der Bibel wird lange und leidenschaftlich und buchstäblich unter Kämpfen gerungen, von den ca. 60 Evangelien bleiben schließlich 4 übrig.
325 n. Chr.:
Konzil von Nicäa: Arius contra Alexander von Alexandrien. Jesus Christus wird durch ein Machtwort des Heidenkaisers Konstantin und per erzwungener Mehrheit als mit Gott (Vater) wesensgleicher Sohn in den Götterstand verabschiedet, Arius, der Jesus als höchsten Propheten, aber doch als Menschen sah, mit dem Kirchenbann belegt und ins Exil geschickt. (Trotzdem lässt sich Kaiser Konstantin auf dem Totenbett von der Vernunft leiten und von einem Anhänger des Arius taufen!!!) Das verabschiedete Nicänische Glaubensbekenntnis endet mit der Klausel: (welche etwas anderes glauben) "....diese belegt die katholische Kirche mit dem Anathema." (Anm.: dem Kirchenbann).
Das Konzil legte weiterhin fest, dass das Osterfest am Sonntag nach dem jüdischen Passahfest gefeiert werden soll.
Das Passahmahl wurde, da nach Auffassung der Kirche aus besonderem Anlass von Jesus zelebriert, rechtskräftig zum Abendmahl erklärt.
Der Sabbat (Samstag), der als heilig galt, wurde auf den Sonntag verlegt.
Die biblischen Speisegebote (5Mo14, 3-21), die das Essen von unreinen Tieren verbieten, wurden aufgehoben.
Die tägliche rituelle Reinigung (3Mo11, 25-40; 15, 5-7), wird als Ritus der Taufe weitergeführt, mit dem neue Sinn einer Initiation (Beitrittserklärung) zur Kirche.

Und warum das alles? Als die Kirche im Westen, im lateinischen Sprachraum Einfluss gewann, begann sie darauf Wert zu legen, weniger mit den Juden zu tun zu haben.

Dieser Konflikt wurde immer größer, bis die westliche Kirche jegliche Verbindung mit dem jüdischen Volk loswerden wollte. Deshalb gab es Bestrebungen, die Daten für die Feier von Jesu Tod, Begräbnis und Auferstehung so zu ändern, dass sie nicht mit dem jüdischen Festkalender übereinstimmten. Das wurde sofort umgesetzt, als Konstantin im Jahr 325 in einem seiner Briefe, der fast einem kaiserlichen Edikt gleichkam, schrieb: „Als beim Konzil von Nicäa (siehe oben) die Frage des heiligen Festes Ostern aufkam, wurde einstimmig beschlossen, dass dieses Fest von allen und überall am gleichen Tag gefeiert werden sollte. Denn es erschien jedem eine äußerst unwürdige Tatsache, dass wir in diesem äußerst heiligen Fest den Gewohnheiten der Juden folgen sollten, welche – verdorbene Schufte! – ihre Hände befleckt haben mit einem ruchlosen Verbrechen. . . . Es ist daher passend, wenn wir die Praktiken dieses Volkes zurückweisen und in aller Zukunft das Begehen dieses Festes auf eine legitimere Art feiern. Lasst uns also nichts gemeinsam haben mit diesem äußerst feindlichen Pöbel der Juden“ (Eusebius, De vita Constantini, III 18f., zit. in Jörg Ulrich, Euseb von Caesarea und die Juden, Berlin/New York 1999,S. 239).

Dies also war die Zeit, in der das zentrale Ereignis der Geschichte, die Entstehung des christlichen Glaubens, aus seinem jüdischen Kontext herausgerissen wurde.


367 n. Chr.: Athanasius von Alexandrien legt autoritativ die 27 im NT enthaltenen Schriften als kanonisch fest, nachdem ca. 200 Jahre lang keine Einigung erzielt werden konnte.
Ca. zur selben Zeit: Basilius von Cäsarea erklärt den Heiligen Geist als eigenständigen göttlichen Heilsbringer.
381 n. Chr.: Das
1. Konzil von Konstantinopel unter dem Ostkaiser Theodosius I. legt fest, dass der Heilige Geist nur aus dem Vater hervor geht, verabschiedet die "Dreifaltigkeit" Gottes und erklärt den Katholizismus zur Staatsreligion.
Ca. 412 – 415 n. Chr.: Augustinus schreibt eine Erbsündenlehre, erklärt gleichzeitig Maria, die Mutter des nunmehr göttlichen Jesus für sündenrein und nimmt sie von der Erbsünde aus. (Frage: wie war das mit der Großmutter?)
431 n. Chr.:
Konzil zu Ephesus. Nestorius, Patriarch von Konstantinopel, weigert sich den Titel "Gottesmutter" für Maria anzuerkennen. Da Jesus 2 Naturen habe, eine göttliche und eine menschliche, sei Maria die Mutter des Menschen Jesus. Cyrill, Patriarch von Alexandrien und mit der Führung des Konzils beauftragt setzt Nestorius daraufhin ab. Ein sofort in derselben Stadt einberufenes Gegenkonzil setzt Cyrill ab und man exkommuniziert sich samt Anhang gegenseitig. Kaiser Theodosius II. lässt das ganze Konzil für nichtig erklären und setzt beide Kontrahenten noch einmal ab und stellt sie unter Hausarrest. Cyrill kann dennoch das Blatt für sich wenden, da er Konstantinopel mit Geschenken in Millionenhöhe schmiert, was sein eigenes Patriarchat finanziell an den Rand des Ruins bringt, doch zunächst steht der Verleihung des Titels einer "Theotokos" = Gottesgebärerin an Maria nichts mehr im Wege: ("Wer nicht bekennt, dass die heilige Jungfrau Gottesgebärerin ist, der sei im Banne.")
449 n. Chr.:
Räubersynode von Ephesus. Dioskoros von Alexandrien unterstützt die These, dass Jesus aus 2 Naturen, aber nicht in 2 Naturen fleischgeworden sei und deshalb nur eine, nämlich göttliche Natur habe, welche die menschliche Natur aufsauge. Er lässt diese These durch Schlägertrupps durchsetzen, wobei der später heilig gesprochene Patriarch von Konstantinopel Flavian, sein Gegenspieler, tot auf der Strecke bleibt.
451. n. Chr.:
Konzil von Chalkedon (andere Schreibweise "Chalcedon" oder "Chalzedon") verurteilt die Räubersynode von Ephesus und bestätigt die Zweinaturenlehre Christi: Wahrer Mensch und wahrer Gott.
Ab 5. Jh. n. Chr.: Der Siegeszug der Maria durch die Jahrhunderte beginnt und ist bald so grandios, dass sie im Bewusstsein des Volkes zeitweilig ihren Sohn verdrängt. Selbst viele Kirchenväter schreiben ihr das Werk der Erlösung zu.
649 n. Chr.: Die sog.
Lateransynode unter Papst Martin I. stellt fest: "Wenn einer nicht gemäß den heiligen Vätern bekennt, dass im eigentlichen und wahren Sinne Maria die heilige Gottesgebärerin ist und immerwährende Jungfrau und unbefleckt und dass sie das Wort Gottes selbst, das vom Vater vor aller Zeit geboren ist, wahrhaft und wirklich in der Fülle der Zeit ohne irdische Zeugung vom Heiligen Geiste empfangen und ohne Verletzung ihrer Jungfräulichkeit geboren hat, und dass auch nach der Geburt ihre Jungfräulichkeit unversehrt geblieben ist, der sei im Banne".
9. Jh. n. Chr.: Entgegen der Einsicht von Konstantinopel 1, wird im Westen festgestellt, dass der Heilige Geist aus dem Vater und dem Sohne (filioque) hervorgeht, da gem. Joh. der Vater den Geist als Ratgeber in Jesu Namen senden wird. Da die Ostkirche damit nicht einverstanden ist, kommt es 1054 zum Schisma (Kirchenspaltung) was wiederum beweist, dass der Heilige Geist auch ein spaltendes Element beinhaltet.
1854 n. Chr.: Pius IX lässt endlich Maria auch im Dogma unbefleckt zur Welt kommen, was ja Augustinus schon 1400 Jahre vorher festgestellt hatte, und
1950 n. Chr.: Pius XII nimmt Maria dogmatisch leiblich in den Himmel auf, wo sie nun neben ihrem Sohn als "Aeiparthenos", allzeit Jungfräuliche thront, weswegen von ihr, wie auch von Jesus, keine Knochenreliquien auf Erden existieren können!!!

Vier der ersten ökumenischen Konzilien (Nicäa, Konstantinopel I, Ephesus I, Chalkedon) wurden im Ergebnis als endgültig festgeschrieben und klar von Konzilien bzw. Synoden minderen Ranges abgegrenzt. Seither stellen sie letzte
unfehlbare Autorität des wahren Glaubens dar, absolute Wahrheit, die nicht mehr hinterfragt werden darf. Der Vergleich der "vier heiligen Synoden" mit den vier Evangelien, mit denen sie ebenso anzunehmen und zu verehren seien, wurde festgestellt.

 

So also erschaffen sich Menschlein ihre Götzen!

 

 

 

2. Das Zweiklassensystem der Kirche
 

Seit ihren Gründerzeiten bis heute manipuliert die Kirche die philosophische Wahrheit   in Theologie, Glauben,  und Offenbarung und nimmt eine ganz gezielte Zweiklassen-Einteilung zwischen der christlichen Elite einerseits und andererseits den Naiven und Narren vor, hatte doch schon Platon im 4. vorchristlichen Jahrhundert  ganz entschieden behauptet, Religion müsse in ihren frühen Stadien mythologisch sein, sozusagen eine 'therapeutische Lüge'; er bereits mahnt uns, sie niemals wörtlich zu nehmen.

1.) Philon von Alexandrien (Philo Judaeus) ein Zeitgenosse Jesu Christi (25 v. – 50 n. Chr.) strebte danach, die griechisch- hellenistische Philosophie mit dem jüdischen Denken zu vereinen. In diesem philosophischen Eklektizismus (Werkschaffen, bei dem vorhandene, bzw. fremde Ideen verwendet werden) bemühte er sich, mithilfe  allegorischer Mittel**) nachzuweisen, dass die zentralen Inhalte der griechischen Philosophie bereits in den alttestamentlichen Schriften (Septuaginta- Übersetzung, ca. 285-245 v.Chr.) vorhanden seien und nur noch freigelegt werden müssten. Er hält an der verbalen Inspiration des Alten Testaments fest, und doch verwandelt er es durch seine Theorie der rationalen Allegorese**)  in ein moralisches und metaphysisches Märchen. Er wurde damit zur Ausgangbasis aller Schreiber biblisch allegorischer Mythen**) und wegweisend für die frühchristlichen Apologeten, z.B. Justin und die Kirchenväter, besonders für Origenes, sowie für den christlichen Neuplatonismus.

 2.) Justin der Märtyrer (ca. 100 - 165 n. Chr.) benutzte  als erster Christ bei der Verteidigung des christlichen Glaubens gegen "Heiden und Irrlehrer" und den röm. Staat allegorische Mittel**).  Er bediente sich der griechischen (also heidnischen) Philosophie und  übernahm dabei ziemlich ungeniert ganz einfach Teile der griechischen Mythologie:

"Wenn wir aber weiterhin behaupten, der Logos... sei ohne Beiwohnung gezeugt worden, nämlich Jesus Christus... und er sei gekreuzigt worden, gestorben, wieder auferstanden und in den Himmel aufgestiegen, so bringen wir im Vergleich mit den Zeussöhnen nichts Befremdliches vor... Wenn wir aber sagen, er sei auf ganz eigene Weise entgegen der gewöhnlichen Abstammung als Logos Gottes aus Gott geboren worden, so ist das, wie schon vorhin gesagt wurde, etwas, was wir mit euch gemeinsam haben, die ihr den Hermes den von Gott Kunde bringenden Logos nennt. Sollte man aber daran Anstoß nehmen, dass er gekreuzigt worden ist, so hat er auch das mit euren vorhin aufgezählten Zeussöhnen (Anm.: Hermes, Asklepios, Dionysos, Herakles) gemeinsam, die auch gelitten haben; denn von diesen werden nicht gleiche, sondern verschiedene Todesarten erzählt, so dass er auch in der ihm eigentümlichen Todesart ihnen nicht nachsteht... Wenn wir ferner behaupten, er sei von einer Jungfrau geboren worden, müsst ihr hierin eine Übereinstimmung mit Perseus zugeben. Sagen wir endlich, er habe Lahme, Gichtbrüchige und von Geburt an Siechende gesund gemacht und Tote erweckt, so wird das dem gleichgehalten werden können, was von Asklepios erzählt wird... Aber nicht deshalb, weil wir dasselbe wie sie (Anm.: die Heiden) lehren, verlangen wir Annahme unserer Lehre, sondern deshalb, weil wir die Wahrheit sagen." (Just. Apol. 1,20 ff, 23.)

So einfach ist das: Christus ist der Logos wie Hermes, er wird von einer Jungfrau geboren wie Perseus, er heilt Kranke und erweckt Tote wie Asklepios, weist eine eigentümliche Todesart vor und leidet wie andere Götter und fährt wie sie zum Himmel auf.  Bei den Urhebern ist es unwahr,  bei den Abschreibern ist es die Wahrheit.

 

3.) Bei Clemens von Alexandrien, (ca. 150 – 210 n. Chr.) dem (vermuteten) ersten Leiter der berühmten alexandrinischen Theologenschule, stand der "Erkennende" (der griechischen Philosophie und der verbotenen Schriften der Gnosis) hoch über dem einfachen Gläubigen, wobei er die Christen in solche "erster Klasse" (Wissende) und solche "zweiter Klasse" (Glaubende) einteilte.

 4.) Origenes (185 – 254 n. Chr.), sein Nachfolger an selbiger Schule und aus heutiger Sicht der hellste und begnadetste Kopf seiner Zeit, sagt unter Anlehnung an Philo und  mit Blick auf das Neue Testament der Bibel, dass sich dieses auf drei Ebenen auslegen lässt, wörtlich, ethisch und allegorisch**), wobei jede nächstfolgende Lesart als "höher" aufzufassen sei. Die wörtliche Auffassung ist einfach das, was der Mythos an der Oberfläche sagt; die ethische Auffassung bereitet den Mythos rational für die Anwendung auf vorliegende ethische Fragen auf, die im Lauf der Geschichte veränderbar sind; die allegorische**) kann dem Mythos praktisch jede mystische oder spirituelle oder transrationale Bedeutung geben, die man nur will, vorausgesetzt, sie wird von der philosophischen Elite ausgearbeitet, damit sie nicht der Lächerlichkeit preisgegeben wird. Der Begriff der Hypostase bzw. der Hypostasierung (Substantialisierung, Personifizierung abstrakter Attribute Gottes) spielt hier eine bedeutende Rolle.  Das ist also das Schema, in der heutigen Bibelauslegung um weitere Auslegungskategorien ergänzt, (inzwischen sind es über 20), sodass nun das Goethewort sicherlich zutrifft:

"Das Märchen (der Bibel) ist Ursache, dass die Welt noch 10.000 Jahre stehen kann und niemand recht zu Verstande kommt, weil es ebensoviel Kraft des Wissens, des Verstandes, des Begriffes braucht, um es zu verteidigen, als es zu bestreiten."  (Johann Wolfgang von Goethe, dt. Dichter, 1749-1832)

Nochmals  zu Origenes: Ganz unverblümt verhöhnt er alle wörtlich genommenen Mythen. Er spricht mit Verachtung von jenen Christen, welche die Versprechungen und Drohungen der Bibel wörtlich nehmen. Er glaubt nicht an das Weiterleben der Einzelseele oder des Ich, er glaubt nicht, dass das Heil in so etwas wie Fortdauer des Ich besteht - das wäre für ihn sogar die Hölle. Er glaubte nicht einmal an die Auferstehung des Leibes.  „Die Evangelien sind nicht wörtlich zu nehmen, sagt er; wie soll man stoffliche Körper wieder zusammensetzen, deren sämtliche Bestandteile längst in andere Körper eingegangen sind? Zu welchem Körper gehören diese Moleküle? Da sieht man mal“, bemerkt er höhnisch, „in welche Tiefen des Unsinns der Mensch abzusteigen bereit ist, wenn er nur zu frommen Versicherungen wie, 'bei Gott ist nichts unmöglich', seine Zuflucht nehmen kann". Alle jene, die Mythen wörtlich nahmen, bezeichnete Origenes als "bloß Gläubige" oder "schlichte Gemüter" (mit ein Grund für die Kirche, unter Berufung auf  Paulus den stets manipulierbaren "Glauben" zu ihrem privilegierten Sakrosanktum zu erheben und die wörtliche Deutung der Evangelien bis in den Fundamentalismus der heutigen Tage hinein fröhliche Urständ feiern zu lassen). So streng Origenes mit den Philosophen, die an "Albernheiten" glauben, ins Gericht geht, soviel "Toleranz bringt er allerdings den volkstümlichen und mythologischen Überzeugungen der ungebildeten Christen entgegen. Der Logos unterweist die Menschen auf je verschiedene Weise, ihren Fähigkeiten entsprechend; manche brauchen Milch, andere Fleisch." (Siehe auch 1 Kor 3,1-2).

Wohl gemerkt, Origenes lebte im 2. – 3. Jahrhundert n. Chr.!

5.) Von Augustinus (354 – 430) ist folgende Aussage überliefert: "Wahrlich, wäre es nicht wegen der Autorität der katholischen Kirche, so würde ich dem Evangelium keinen Glauben schenken!"  Augustinus ist der Auffassung, dass das Christentum, konkret die Kirche, sich als Autorität darstellen muss, wobei die Autorität nicht die Vernunft selbst ist, aber deren Platzhalterin für die Menschen, die in der Masse zu eigener Vernunftseinsicht nicht fähig sind. Die Kirche dient dazu, die Masse auf die Wahrheit einzuordnen (Liturgie = Dienst am Volk), und zwar auf die Wahrheit, die der Mensch durch Glauben in seinem Innern findet. Augustinus hat keine Einwände gegen ein Zweiklassensystem der christlichen Erkenntnisse: der bloße Glaube für die Masse, die Einsicht für die philosophisch Gebildeten. Erkenntnis der philosophischen Wahrheit wurde bei Augustinus zur akademischen Übung für die Gebildeten.

 6.) Thomas von Aquin (1224 – 1274 n. Chr.) beschreibt mehrere Wege und Stufen zur Erkenntnis der Wahrheit: Auf der Vernunft basierend in der Philosophie, auf der Offenbarung und deren Auslegung beruhend in der Theologie  und, daraus abgeleitet, auf der Bibel basierend in der Intuition und der Phantasie der Gläubigen. In seiner "Summa contra Gentiles" (entstanden ca. 1259-64) führt er aus: "Die Beweisführung (für religiöse Wahrheiten) ist schwierig und kann nur von Gelehrten verstanden werden; der Glaube aber ist nötig für die Ungebildeten, für die jungen Menschen und all diejenigen, denen es an Muße fehlt, sich mit Philosophie zu beschäftigen... Für sie reicht die Offenbarung."

7.) Bonaventura (1221 – 1274 n. Chr., einer der Favoriten Benedikt XVI) suchte, wie auch Thomas von Aquin Vernunft und Glauben miteinander in Einklang zu bringen. Er akzeptierte den größten Teil der aristotelischen Philosophie, lehnte aber deren Metaphysik als unzulänglich ab, da sich Aristoteles nicht vom Licht des christlichen Glaubens leiten ließ (Wie sollte er auch, da er im 4. Jh. vor Chr. lebte). Seiner Meinung nach solle man aber die Gläubigen nicht mit zu viel Philosophie verderben: "Man soll also nicht so viel Wasser der Philosophie in den Wein der Hl. Schrift mischen, so dass aus Wein Wasser würde. Das wäre das schlechteste Wunder. Und wir lesen doch, dass Christus aus Wasser Wein machte, nicht umgekehrt... Daraus wird klar, dass den Gläubigen ihr Glaube nicht mit der Vernunft, sondern mit der Schrift und mit Wundern bewiesen werden kann. In der Urkirche verbrannte man die Bücher der Philosophen [Apg. 19,19] denn man darf die Brote nicht in Steine verwandeln..." (Gab es da nicht Parallelen im Dritten Reich hinsichtlich Bücherverbrennung?) "Dies ist also die Abfolge: Zuerst studiere der Mensch die Bibel nach Buchstaben und Geist, dann die Kirchenvätertexte und unterwerfe sie der Bibel. Entsprechend auch die Schriften der Universitätslehrer und Philosophen, aber vorübereilend und wie ein Dieb, nicht, als solle man dabei verweilen"!

(Siehe dazu auch das Zitat Benedikts XVI am Anfang dieser Abhandlung und am Schluss Nr. 10.).

 

 8.) Dazu sollte man auch wissen, dass nicht nur die Aussage von Papst Leo X. (1513-1521) überliefert ist, bei dem das kirchliche Ablass – Unwesen seinen Höhepunkt erreichte und der auch   die Bannandrohungsbulle gegen Luther unterschrieb: "wie viel die Fabel von Christus uns genützt hat", sondern schon die des den Ursprüngen des Christentums viel näher stehenden Tertullian (etwa 150-225), dem Vater des abendländischen Christentums, dem eigentlichen Begründer des Katholizismus, der ganz offen und gleich dreimal von der »Christus-Fabel« schrieb! Und für den Papst Pius II, (1405-1464) waren die Fabeln gar Märchen: "Uns und den Unsrigen ist das Märchen vom Jesus zum Segen geworden!"
 

Anscheinend fürchtete die Amtskirche bereits ab dem 13. Jahrhundert (immerhin kündigten sich mit Albertus Magnus naturwissenschaftlich geschulte und vom Geiste Aristoteles getragene Gelehrte an), dass die biblischen Mythen aufgedeckt werden könnten, denn sie verhängte über mehrere Jahrhunderte ein Leseverbot für die Bibel. Dieses Leseverbot für Laien erging zuerst 1229 durch das Konzil von Toulouse, wurde unter Papst Julius III (1550 - 1555) bestätigt und 1564 von der Synode zu Trient abermals bekräftigt. D.h. alle deutschsprachigen Bibeln sind damals unter Lebensgefahr gedruckt worden! (Erfindung und Verbreitung des Buchdrucks 2. Hälfte des 15. Jh.). Seit dem Konzil von Toulouse 1229 gab es ein striktes päpstliches Verbot, die Bibel oder Teile daraus in irgendwelche Landessprachen zu übersetzen. Es war nur der lateinische Text der Vulgata geduldet. Selbst dann bedurften sogar Geistliche zum Bibellesen einer Erlaubnis ihrer Oberen, auch wenn es sich um kirchlich gebilligte Übersetzungen handelte. Noch 1805 wurde der spanische Pfarrer Miguel Solano zu Esco, ein betagter Mann, verhaftet und bis zu seinem Tode in einem geheimen Gefängnis der Inquisition festgehalten, weil er ohne Erlaubnis die Bibel studiert hatte.

"Die Päpste und ihre Helfershelfer waren so sehr davon überzeugt, dass ihre Macht ausschließlich auf der Unwissenheit beruht, dass sie immer wieder die Lektüre des einzigen Buches verboten haben, das ihre Religion verkündet; sie sagten: Hier ist euer Gesetz, und wir verbieten euch, es zu lesen; ihr erfahrt daraus nur, was wir euch zu lehren geruhen. Diese absonderliche Tyrannei ist unbegreiflich, und trotzdem gibt es sie. Jede Bibel in lebender Sprache ist verboten; erlaubt ist sie nur in einer Sprache, die nicht mehr gesprochen wird."  (Voltaire, franz. Schriftsteller, 1694-1778)

Bis zur Aufklärung im 18. Jh. musste das Volk der Bibel, bzw. den Teilen, welche man daraus als Übersetzung preisgab, dem Wortsinn nach glauben (ansonsten Scheiterhaufen oder Folterung). Als dies durch die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse nicht mehr möglich war ging man einfallsreich und flexibel zur symbolischen**) Deutung über, die das einfache Volk nicht mehr versteht, wofür man nun aber die akademisch geschulten Dolmetscher des "Göttlichen" benötigte, (Stichwort Bibelhermeneutik, bzw. – exegese).

Doch hier erweist sich nun die Sorge des Origenes als begründet, nur die philosophische (theologische) Elite zur Auslegung zu zulassen, gemessen an den Albernheiten, die einem noch heutzutage teilweise in den Kirchen serviert werden. 

Dazu Peter de Rosa, Absolvent der päpstlichen Gregorianischen Elite-Universität, Rom:  Die meisten Kirchgänger "halten die Evangelien für den Tatsachen entsprechende Geschichten. Sie haben keine Ahnung, dass sie die komplexesten, widersprüchlichsten literarischen Konstruktionen der Antike sind. Deshalb haben sie auch keine Ahnung, wie sie sie lesen sollen. Sie beharren leidenschaftlich darauf, die Evangelien seien das eine, was sie nicht sein können: einander ergänzende Biografien Jesu". (Peter de Rosa, lehrte Metaphysik und Ethik am Londoner Westminster Seminar und war Dekan für Theologie am Corpus Christi College, London. Er sagte sich 1970 vom Priesterstand los, heiratete und zeugte zwei Söhne).

 9.) Weit weniger sensibel unterscheidet man noch heute in akademischen Kirchenkreisen, besonders bei den Kirchenhistorikern, zwischen der "christlichen Elite" und den "simplices" oder "idiotai", welche die biblischen Mythen wörtlich nehmen, da sie zur Abstraktion unfähig seien. Ein jeder kann sich dann ja selbst zuordnen  wo er hingehört, oder sich gleich nützlicheren Dingen zuwenden.

Ein  bekannter Kirchengeschichtler unserer Tage, der nach der  Lektüre des Manuskriptes "Und abermals krähte der Hahn" – eine kritische Kirchengeschichte des Kirchenkritikers Deschner schrieb, "es habe ihn sehr gepackt", glaubte im letzten Teil des Buches eine Gefahr für die Laien zu erkennen. "Wäre das Buch", urteilte dieser Gelehrte, "nur für Bischöfe, Pfarrer und Theologen bestimmt, dann würde ich sagen: Ausgezeichnet!" Nun ging Deschner aber davon aus, dass gerade die Laien einmal in dieser Form erfahren sollten, was zumindest die Gelehrten unter den Klerikalen ja ohnehin längst wissen, obwohl auch bei den Kirchengelehrten inzwischen ein derart breites Spektrum von Meinungsverschiedenheiten zu den grundlegenden Glaubensaussagen der Kirchen und ihrer Dogmen zu finden ist, sodass man zu dem Schluss kommen muss, dass sie Theologie nur noch aus wissenschaftlichem Interesse, ohne emotionale Beteiligung betreiben.

Dazu Kardinal Ratzinger kurz ehe er Benedikt XVI wurde in seiner Predigt zur Eröffnung des Konklaves, welches ihn dann zum Papst wählte:

..."Wie viele verschiedene Glaubenslehren haben wir in den vergangenen Jahrzehnten kennen gelernt, wie viele ideologische Richtungen und wie viele Denkweisen (...) Das kleine Boot des Denkens vieler Christen ist nicht selten von diesen Wellen geschüttelt und dabei von einem Extrem ins andere geworfen worden: vom Marxismus zum Liberalismus bis hin zum Libertinismus; vom Kollektivismus zum radikalen Individualismus; vom Atheismus zu einem vagen religiösen Mystizismus; vom Agnostizismus zum Synkretismus und so weiter. Jeden Tag werden neue Sekten geboren und dabei verwirklicht sich, was der Heilige Paulus über die Täuschung der Menschen sagt (...). Einen klaren Glauben nach dem Credo der Kirche zu haben, wird oft als Fundamentalismus abgetan...“

 

10.) Wie er, Benedikt XVI, sich die Vermittlung des „klaren Glaubens“ vorstellt, sagte er an anderer Stelle:

"Ich habe zu meiner Hauptaufgabe die Verteidigung jener bestimmt, die sich nicht wehren können, denen gegen Angriffe auf ihren Glauben die Mittel eines theologischen Intellektualismus fehlen. Der einfache Gläubige muss das Recht haben, dass der Glaube in jeder Generation bewahrt wird. Denn die Kirche lebt in letzter Analyse in guten wie in schlechten Zeiten vom Glauben derjenigen, die einfachen Herzens sind."

(Benedikt XVI, alias Kardinal Ratzinger, Interview 1988 mit "Die Presse", Wien, zitiert nach "Allen,  Joseph Ratzinger, Patmos 2002")

 Die Menschen einfachen Herzens lassen sich also von den christlichen Kirchen immer noch zum „Glauben“ rufen und nicht zum Denken. Das Denken wird ihnen von jenen abgenommen, die im direkten Kontakt mit der Hypostase (oder besser Hypothese?) des „Heiligen Geistes" stehen, der sich jedoch schon längst als Instrument des kirchlichen Utilitarismus – der Zweck heiligt die Mittel – herausgestellt hat.

 Es ist an der Zeit, das auch den Einfachen zu sagen.

 

______________

**)Anmerkungen:

 Allegorie:

[griechisch allegoría »das Anderssagen«], die Verbildlichung eines abstrakten Begriffs oder Vorgangs; oft durch Verkörperung als Person, z. B. der Tod als Sensenmann, Gerechtigkeit als Justitia = weibl. Figur mit verbundenen Augen und mit Waage, oder Gott als Mensch. Im Unterschied zum Symbol enthält die Allegorie eine gedanklich-konstruktive Beziehung zwischen dem Dargestellten und dem Gemeinten. Als literarisches Ausdrucksmittel wurde die Allegorie besonders in der Antike, im Mittelalter und im Barock verwendet.

Symbol:

Das Symbol wird nach Goethe als „aufschließende Kraft“ aufgefasst, „die im Besonderen das Allgemeine (und im Allgemeinen das Besondere) darzustellen vermag“ (Beispiel: Licht: für Geist, Erkenntnis, das Göttliche), und er grenzte es als in seiner unendlichen Bedeutungsfülle irreduzibles Zeichen von der rational aufschlüsselbaren Allegorie ab: „Die Symbolik verwandelt die Erscheinung in Idee, die Idee in ein Bild, und so, dass die Idee im Bild immer unendlich wirksam und unerreichbar bleibt und, selbst in allen Sprachen ausgesprochen, doch unaussprechlich bliebe.

Ein Symbol wird somit auch verstanden als ein Zeichen, das die gesagte Sache auch um ihrer selbst und ihrer Besonderheit willen, und nicht nur um der Verallgemeinerbarkeit der übertragenen Aussage willen ausspreche, ihren tieferen Sinn außerdem lediglich andeute, ihn aber weniger bestimmt als die Allegorie festlege, und darum schließlich eher intuitiv zu verstehen als intellektuell zu enträtseln sei

Oder: Symbol ist die Fortschreibung der Allegorie ins Abstrakte.

 Allegorese:

 Allegorische Auslegung eines Textes, die hinter dem Wortsinn (sensus litteraris) eine tiefere (philosophische, theologische, moralische, ethische etc.) Bedeutung aufzeigt (sensus spiritualis). Schon die antiken Stoiker erprobten die Allegorese an Homer. Mit Philon von Alexandria wurde das Alte Testament der Allegorese unterzogen, im Mittelalter führte sie zur christlich fundierten Lehre vom mehrfachen Schriftsinn. Bsp.: Die Allegorese des Hohenliedes des Alten Testaments liest die Braut als Personifikation Israels bzw. der Kirche, den Bräutigam als Gott bzw. Christus. Vgl. auch "Exegese" unter unten stehendem Link.

Lehre vom mehrfachen Schriftsinn:

Verfahren der Allegorese, das hinter dem wörtlichen Sinn eines Textes mehrere Bedeutungsebenen ausmacht. In der für die christliche Bibelexegese bedeutsamen Lehre vom vierfachen Schriftsinn werden unterschieden: 1. der sensus litteraris oder historicus (der Wortsinn eines Textes: z. B. Jerusalem als historische Stadt), 2. der sensus allegoricus (der allegorische Sinn: Jerusalem als Kirche Christi), 3. der sensus moralis (die moralische Lehre: Jerusalem als Seele des einzelnen Gläubigen), 4. der sensus anagogicus (der Verweis auf die Eschatologie (Lehre von den letzten Dingen): das himmlische Jerusalem als künftiges Gottesreich). Im Mittelalter wurde die Lehre vom mehrfachen Schriftsinn auch für die Auslegung heidnischer Texte antiker Autoren fruchtbar gemacht, die somit einer christlichen Deutung zugänglich wurden. Heute gibt es ca. 20 Auslegungskategorien bei der Bibelauslegung und –interpretation. Siehe auch: “www.glauben-und-wissen.de/M7.htm

 

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